Wenn du „eigentlich fertig“ bist – und trotzdem nochmal weitermachst
- Isa
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Vielleicht kennst du das:
Training ist vorbei. Dein Körper sagt „Stopp“. Und trotzdem ist da dieses Ziehen:
noch ein Satz, noch ein Sprint, noch ein Check, noch einmal „sicher gehen“.Nicht, weil du so motiviert bist – sondern weil es sich komisch anfühlt, nicht zu tun.
Und wenn du es dann machst, ist kurz Ruhe im Kopf. Für einen Moment.Dann kommt es wieder.
Wenn du dich darin wiedererkennst: Du bist damit nicht allein. Und das sagt nichts Schlechtes über dich. Oft ist das eher ein Muster, in das man im Leistungssport reinrutscht – gerade, wenn einem der Sport viel bedeutet.
Wie so ein „Loop“ aussehen kann
Man kann sich das wie eine kleine Schleife vorstellen:
Auslöser → Unruhe → Aktion → kurze Erleichterung → wieder von vorne
Zum Beispiel:
Auslöser: „War das gut genug?“ / ein Fehler / ein Blick vom Coach / eine Zahl, die dich nervt
Unruhe: Druck im Bauch, Herz schneller, Gedanken kreisen
Aktion: extra trainieren, nochmal kontrollieren, nochmal nachfragen, nochmal Regeln „perfekt“ machen
Erleichterung: „Okay. Jetzt passt’s.“
Und genau das macht’s beim nächsten Mal wahrscheinlicher.
Nicht weil du „schwach“ bist, sondern weil dein Kopf lernt:„Wenn ich das mache, wird es kurz besser.“
Warum das gerade im Sport so schnell passiert
Im Sport ist vieles so gebaut, dass es Schleifen leichter macht:
Du wirst oft bewertet (von aussen oder von dir selbst).
Du willst besser werden – logisch.
Fehler fühlen sich manchmal riesig an.
Viele haben gelernt: „Mehr ist sicherer als weniger.“
Und manchmal wird aus „ich will“ plötzlich „ich muss“.Das ist ein Unterschied, den man nicht auf dem Papier merkt – sondern im Körper.
Woran du es bei dir merken könntest
Vielleicht passt eine dieser Fragen:
Fühlt es sich wie Stress an, wenn du etwas nicht machst?
Wird es im Kopf lauter, wenn du stoppst?
Machst du Dinge eher, um Ruhe zu bekommen – statt weil sie wirklich sinnvoll sind?
Rutscht dein „genug“ immer weiter weg?
Trainierst du manchmal, obwohl du weisst: Das tut mir gerade nicht gut?
Wenn du hier innerlich nickst: Das ist ein ziemlich klares Zeichen, dass es nicht nur „Disziplin“ ist, sondern eher ein Druck-Loop.
Eine kleine Sache, die helfen kann
Kein „Du musst“. Eher ein Mini-Trick, den du testen kannst, wenn du willst:
Die 20-Sekunden-Pause
Wenn der Drang kommt („Ich muss noch…“), probier einmal:
Stopp – nur kurz. (20 Sekunden reichen.)
Sag innerlich: „Da ist dieser Drang.“
Frag dich: „Will ich das gerade – oder will ich nur, dass das Gefühl weggeht?“
Manchmal merkst du: „Ich will nur die Unruhe loswerden.“Und dann kannst du entscheiden:
Ich mache es bewusst (als Wahl), oder
ich mache eine kleinere Version, oder
ich warte 10 Minuten und entscheide dann.
Es geht nicht darum, „hart“ zu sein. Es geht darum, wieder ein kleines Stück Steuer in der Hand zu haben.
„Der Drang ist ein Signal – kein Befehl.“
Du darfst ihn hören, ohne ihm sofort zu folgen.
Wenn du das Gefühl hast: „Das nimmt mir zu viel“
Manchmal werden solche Loops enger: Schlaf leidet, Stimmung kippt, Essen wird streng, Verletzungen werden ignoriert, Beziehungen werden anstrengend. Wenn du merkst, es wird zu gross, dann ist Hilfe holen kein Drama – eher wie ein gutes Support-Team: jemand, der das Muster kennt und mit dir Wege findet, wie du wieder Luft bekommst. Du kannst dich gerne melden:)

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